TUHH Spektrum Mai 2016 - Page 37

Forschung 19 Da, wo er herkommt, aus dem Landkreis Gifhorn, heißen viele so wie er: Böse. „Böse wie lieb“, fügt der gleichnamige Wirtschaftsingenieur in der Regel hinzu. In der Ahnentafel kann die Familie bis ins Jahr 1878 ihren Nachnamen zurückverfolgen, der im Norden viel stärker als im Süden verbreitet ist und in Berlin eine Hochburg hat. Nomen est Omen? Dr. Böse ist Oberingenieur am Institut für Maritime Logistik und alles andere, als sein Nachname vorgibt: „Lieb und dabei ein hilfsbereiter und wohlwollender Mensch", sagen er und alle, die ihn kennen. Freundinnen meinen, dass ihr Name wie für eine Schriftstellerkarriere geschaffen sei: Eva Morgenroth. Aus dem Schreiben von Büchern wurde nichts, aber mit ihrem Studium der Kulturwissenschaften hat sie sich den schönen Künsten immerhin genähert. Um sich heute als Mitarbeiterin im Team des Startup Dock in einer etwas anderen Welt, der der Wirtschaft, zu behaupten. Eva Morgenroth koordiniert die Weiterbildungsangebote und Startup Talks des Zentrums für Innovation und Entrepreneurship. Die meisten denken an Frankreich, wenn die Mitarbeiterin im Servicebereich Studium und Lehre sich vorstellt: Madeleine Snoussi. Frankreich, Französisch, das trifft wohl auf den Vornamen zu, nicht jedoch auf den Nachnamen. Frau Snoussi stammt aus Sachsen-Anhalt und trägt aufgrund ihrer Heirat einen tunesischen Nachnamen. Korrekt wird Snoussi mit einem harten „s“ ausgesprochen, die meisten aber ziehen die Vokale lang oder verstehen ihn nicht richtig und dann wird aus Snoussi auch schon mal „Knuffi“. Viele glauben nicht, dass sie wirklich so heißt: Backofen. Manche wähnen sich veräppelt, dabei ist dieser Name in Deutschland gar nicht so selten. Gesa Backofen, Studentin der Verfahrenstechnik, kennt – vom erstaunten Blick bis zu lautem Gelächter – so ziemlich alle Reaktionen, hat sich aber daran gewöhnt. Auch im Supermarkt, wenn die Kassiererin auf ihrer EC-Karte den Namen liest und es nicht bei einem Lächeln belässt, sondern Gesprächsbedarf entwickelt. Ihr Nachname hat zweifelsfrei hohen Unterhaltungswert und darüber wiederum kann die Namensträgerin nur herzlich lachen. Das Selbstbewusstsein hat ihr der Vater, ein Steuerberater, mitgegeben, der, stolz auf diesen Familiennamen, stets auch den Vorteil betonte: Diesen Namen merken sich die Leute! Wer Bologna hört, denkt zumindest in der akademischen Welt zuerst an die europaweite Reform der Studienabschlüsse und erst dann an die bekannte traditionsreiche Stadt im Norden Italiens mit der ältesten Universität Europas. Wer in Hochschulen Bologna heißt, löst genau diese Assoziation aus. Was aber, wenn alles gar nicht so ist? Wenn Anna Lena Bologna nicht aus Bologna, sondern aus einem niedersächsischen Dorf kommt. Und wenn der Namensgeber, ihr Vater, aus dem Südosten Italiens stammt – aus der nicht weniger bekannten Stadt Canosa. Immerhin aber wird Anna-Lena Bologna ihr Masterstudium in Verfahrenstechnik – Regenerative Energien – mit einem Titel abschließen, dessen Anfänge in der Stadt liegen, die den gleichen Namen trägt. Die meisten Rosenblätter leben laut Rosenblatt www.verwandt.de. in Hamburg, Berlin und dem Rhein-Erft-Kreis Ein Rosenblatt arbeitet an der TU Hamburg. Weil sich viele offenbar nur die erste Hälfte des sich aus zwei Hauptwörtern zusammengesetzten Nachnamens merken können, wird Nadine Rosenblatt besonders in Telefonaten oft mit anderen Nachnamen verabschiedet: Rosenstil oder Rosenblüte oder Rosenbusch oder Rosenbaum oder Rosenkranz oder… Oder lädt das „Rosenblatt“ zum Assoziieren ein? Für Nadine Rosenblatt, seit 2013 unter anderem für die Abrechnungen des TUHH-Hochschulmagazins spektrum im Präsidialbereich zuständig, ist das alles kein Grund, ihren Nachnamen nicht gegen einen anderen einzutauschen. Obwohl viele meinen, dass man so einen schönen Nachnamen auch im Fall einer möglichen EheJKW schließung nicht abgeben sollte. www.verwandt.de Illustration: Julia Fischer sagte, dass er im Fall einer Heirat mit dessen Schwester für einen Doppelnamen wäre, um seinem Nachnamen eine etwas positivere Konnotation verleihen zu können: Übelacker-Schönfelder. Bald darf er den Doktortitel vor den Übelacker stellen. Und bestimmt fällt ihm auch zu dieser neuen Kombination etwas Originelles ein. Denn eines steht fest: Der Mann hat bewiesen, dass er etwas hat, was vielen fehlt, und worum ihn manche beneiden dürften: Humor.