TUHH Spektrum Mai 2016 - Page 27

Meerwasserentsalzung Eine energieeffiziente Technologie geht ins Finale: Nach vier Jahren Forschungsarbeit erfolgt nun für ein innovatives Verfahren zur Meerwasserentsalzung an Bord der „MSC Texas" die Probe aufs Exempel. Dabei wird unter Nutzung der Abwärme der Schiffsmotoren aus Meerwasser in einem thermischen Verfahren – bestehend aus einer Kombination aus Destillation und Membranen – Frischwasser gewonnen. Entwickelt wurde die Technik, für die zwei Patentanmeldungen vorliegen, von Professor Georg Fieg, Leiter des Instituts für Prozess- und Anlagentechnik, in enger Zusammenarbeit mit der Mahle Industriefiltration GmbH und der Fraunhofer-Gesellschaft für Solare Energiesysteme. www.tuhh.de/vt3/startseite.html Fest, leicht und leitfähig Schwarz wie die Nacht ist das Material, das als der Hoffnungsträger Nummer eins für neuartige Technologien gilt: Graphen – ein hexagonales Gitter aus Kohlenstoffatomen und darauf basierenden Materialien. Sie weisen eine enorme Festigkeit und hohe elektrische Leitfähigkeit auf. Diese Eigenschaften von der atomaren in die makroskopische Ebene zu übertragen, ist Aufgabe der an diesem größten von der EU finanzierten Forschungsprojekt beteiligten Wissenschaftler, darunter auch Professor Bodo Fiedler vom Institut für Kunststoffe und Verbundwerkstoffe. In diesem Rahmen wird auch das „Aerographit“ – ein hochporöser, jedoch dreidimensional zusammenhängender Graphitschaum für Anwendungen in der Batterietechnologie, in der Optik sowie zum elektrischen Heizen von Polymeren weiterentwickelt. www.graphene-flagship.eu/ und www.tuhh.de/kvweb/institut/einfuehrung.html Die Welt trifft sich auf dem WC Man spart Wasser und Strom – und gewinnt wertvollen Humusboden (Terra Preta). Trotzdem war bislang mit dem wasserfreien Toilettensystem hierzulande kaum ein Geschäft zu machen. Mit der Zunahme an Flüchtlingscamps in Deutschland und weltweit hat sich die Situation jedoch schlagartig verändert. Die von Professor Ralf Otterpohl und einer Sanitärfirma entwickelte wasserfreie Toilette ist eine Antwort auf eine bis dato auf jenem Gebiet ungelöste Frage der Globalisierung. Ihre Toilettenschüssel kann kulturübergreifend genutzt werden, denn sie berücksichtigt auch die Steh-und Sitz-Gepflogenheiten aller Kulturen, ganz abgesehen davon, dass sie so gut wie kein Wasser verbraucht oder verschmutzt. http://media.tu-harburg.de/aww/TPS/videos/TerraPretaToilet_low.mp4 www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/die-multikulti-toilette-ein-klo-das-jeder-benutzen-kann-14043644.html Im Schwarm auf Suchmission Die Erkundung der Lage in einem Katastrophenszenario ist eine sehr wichtige, zugleich aber schwierige und oftmals gefährliche Aufgabe. In Zukunft könnte diese Aufgabe von einem Team von Drohnen übernommen werden, die selbstständig in der Gruppe interagieren. So kann es ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit beispielsweise ermöglichen, aus den Messwerten der einzelnen Drohnen Erkenntnisse über eine Schadstoffwolke zu gewinnen und sich damit auf die Suche nach deren Quelle zu machen. Um das Verhalten der Drohnen in einem solchen Szenario auch in Experimenten erforschen zu können, soll ein Schwarm von Miniatur-Quadrokoptern zum Einsatz kommen. Mit diesen gerade einmal handtellergroßen Drohnen werden am Institut für Regelungstechnik unter Leitung von Professor Herbert Werner Schwarmflug-Szenarien im Labor nachgestellt und untersucht. www.tuhh.de/rts Öl im Meer Was passiert, wenn Öl und Gas in riesigen Mengen ins Meer gelangen – wie 2010 bei der Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko? Um mehr Wissen darüber zu generieren, baut das Institut für Produktentwicklung und Konstruktionstechnik ein Hochdruck-Testzentrum. In diesem zylindrischen Labor können Umweltbedingungen erzeugt werden, wie sie in 5500 Meter Wassertiefe vorherrschen mit einem Druck von 550 bar und 4 Grad Celsius. In Tests werden zum Beispiel gezielt erzeugte Rohölaustritte mit hochauflösenden Kameras beobachtet und ausgewertet. Das Wissenschaftlerteam um die Professoren Dieter Krause, Michael Schlüter, Rudolf Müller und Andreas Liese hat dafür Geld für weitere drei Jahre Forschungsarbeit im Projektverbund „Center for the Integrated Modeling and Analysis of Gulf Ecosystem“ von der „Gulf of Mexico Research Initiative“ erhalten. www.marine.usf.edu/c-image/research/gomri-theme-2/task-2-high-pressure-experiments und www.gulfresearchinitiative.org/