The Doppler Quarterly (DEUTSCHE) Sommer 2017 - Page 8

Regierungsmaßnahmen bedrohen Netzneutralität und Ihre Cloud- Rechnung David Linthicum Vorgeschlagene Richtlinien der Regierung legen den Standard dafür fest, wie Cloud-Anbieter außerhalb der Netzneutralität arbeiten. Die Trump-Regierung hat Anfang des Jahres ange- kündigt, Breitband-Internet-Serviceanbieter dere- gulieren zu wollen. Praktisch würden damit die Vor- schriften zur Netzneutralität der Obama-Regierung über Bord geworfen. Die von der Federal Communications Commission im Jahr 2015 genehmigten Regulierungen zur Netzneut- ralität sollten dazu dienen, ein offenes Internet zu erhalten und sicherzustellen, dass kein „Internet mit zwei Geschwindigkeiten“ geschaffen wird. In der Welt des Cloud Computings bedeutet dies, dass man ISPs nicht dafür bezahlen kann, Netzwerkpakete zu priorisieren, um so einen Cloud-Anbieter gegenüber einem anderen zu bevorzugen. Für Befürworter der Netzneutralität waren diese Vorschriften notwendig, um den gleichberechtigten Zugang zu Inhalten im Internet zu schützen. Gegner waren der Meinung, die Vorschriften würden Breit- band-Internetanbieter wie Verizon, AT&T, Comcast und Charter ungerechtfertigterweise einer „versor- gerähnlichen Regulierung“ unterwerfen. Unsere Auf- gabe bei CTP besteht darin, zu prüfen, wie sich die Änderungen auf unsere Kunden auswirken. Wie Leigh Heyman, ein früherer Mitarbeiter des Wei- ßen Hauses bei der Obama-Administration, erläu- terte, war die Idee, einen gleichberechtigten Zugang zu Internetressourcen zu bieten – unabhängig von den Geschäftsbeziehungen. Heyman fährt fort: „Auf- grund fehlender Netzneutralität können die Inter- 6 | THE DOPPLER | SOMMER 2017 netprovider jetzt flexibel neue Gebühren erheben. Außerdem können sie in Cloud-Anbieter investieren und die Pakete priorisieren.“ Das Problem wird vor allem dann offensichtlich, wenn man den Interessenkonflikt berücksichtigt. ISPs besitzen typischerweise Mediendienste, wie Kabelfernsehdienste (z. B. Verizon, Time Warner usw.). Insofern stehen Mega-Streamer wie Netflix in direkter Konkurrenz zu ISPs. Wenn man also einem Konkurrenten auf legale Art einen Schlag verpassen kann, warum nicht? Aber auch andere Cloud-Services, die sich mehr an den Einzelhandel richten, wie z. B. DropBox, iCloud, Google oder kleine Unternehmen wie AWS und Sales- force.com müssen berücksichtigt werden. Wenn die ISPs nun beginnen, von diesen Cloud-Anbietern Zugangsgebühren zu erheben, müssen diese die Preise entsprechend erhöhen, um die Zugangsge- bühren an ihre Kunden weiterzugeben. Also an dieje- nigen, die sie sich am wenigsten leisten können. Cloud-Services, die früher möglicherweise kostenlos waren, könnten nun ein paar Dollar mehr pro Monat kosten. Während dies für große Unternehmen nicht viel zu sein scheint, könnten kleine Unternehmen am Ende tausende Dollar mehr für Cloud-Services zah- len, die zuvor relativ kostengünstig waren. Wenn die Services aufgrund neuer Zugangsgebühren teurer sind und wir Cloud-Services nutzen, um Kos- ten zu sparen, wird die Nutzung dieser Cloud-Ser- vices für Einzelhändler und Kleinunternehmen weni- ger attraktiv. Darüber hinaus sind die strategischen Vorteile von Cloud Computing, wie Agilität und Ska- lierbarkeit, nicht so wichtig oder wertvoll, wenn Sie eine kleine Blumenladenkette oder sogar ein großes Einzelhandelsgeschäft betreiben.