Nationalparkplan Band 2 - Page 96

Vor allem in den nassen Übergangsbereichen von den Feuchtwiesen zu Großseggen-Rieden oder Röhrichten von Seeverlandungssäumen , bzw . zu nassen Bruchwäldern kommen Gliederbinsen-Pfeifengras-Rasen vor . Verbreitungsschwerpunkte sind entsprechende Standorte an der Nord- und Südwestseite des Zotzensees . Auf Grund ihres Auftretens in den genannten Übergangsbereichen wird die Vegetationsform charakterisiert durch die Kombination von Arten der Pfeifengras-Rasen und der mäßig eutrophen Großseggen-Riede , wie Glieder-Binse ( Juncus articulatus ), Wasserminze ( Mentha aquatica ), Gemeiner Blutweiderich ( Lythrum salicaria ), Sumpf-Labkraut ( Galium palustre ), Ufer-Wolfstrapp ( Lycopus europaeus ) und Steif-Segge ( Carex elata ). Weitere bestimmende Arten sind Wiesen-Segge ( Carex nigra ), Schuppenfrüchtige Gelbsegge ( Carex lepidocarpa ), Sumpf-Dreizack ( Triglochin palustre ), Sumpf-Dotterblume ( Caltha palustris ) und Steifblättriges Knabenkraut ( Dactylorhiza incarnata ).
Nach Auflassung von Pfeifengras-Rasen können sich in Abhängigkeit von den Grundwasser- und Nährstoffverhältnissen Röhrichte , Staudenfluren , Weiden-Gebüsche oder auch Vorwälder ( Kreuzdorn-Birken-Gehölze ) herausbilden . Sie enthalten noch den Grundartenbestand der Dreizahn- und Gliederbinsen-Pfeifengras-Rasen . Die meisten Differenzialartengruppen dieser Vegetationsformen fehlen aber bereits . Dafür dringen Gehölze wie Grauweide ( Salix cinerea ), Purgier-Kreuzdorn ( Rhamnus cathartica ), Moorbirke ( Betula pubescens ), Gemeiner Wacholder ( Juniperus communis ) und Faulbaum ( Frangula alnus ) ein .
Feuchtwiesen und -weiden
Zu den charakteristischen Feuchtwiesenarten zählen unter anderem Wiesen-Platterbse ( Lathyrus pratensis ), Kuckucks-Lichtnelke ( Lychnis floscuculi ), Kohl- Kratzdistel ( Cirsium oleraceum ), Wasserminze ( Mentha aquatica ), Sumpf-Schachtelhalm ( Equisetum palustre ), Ufer-Wolfstrapp ( Lycopus europaeus ) und Gemeiner Blutweiderich ( Lythrum salicaria ). Die kennzeichnenden Artengruppen der Pfeifengraswiesen und Kleinseggenrasen treten nur noch sehr vereinzelt auf .
Weitere floristische Differenzierungen der Feuchtwiesen und -weiden ergeben sich durch die Art und Intensität der Flächennutzung ( Verhältnis zwischen Mahd und Beweidung , Grad der Entwässerung , Höhe des Düngemitteleinsatzes u . a .).
In fast allen untersuchten Flächen sind Sumpfseggen- Wiesenschwingel-Feuchtwiesen mit unterschiedlichen Anteilen und Ausbildungsformen vertreten . Sie bilden den Grenzbereich zwischen den regelmäßig , aber weitgehend extensiv genutzten Feuchtwiesen und dem mit unterschiedlicher Intensität genutzten Grasland .
So sind sie beispielsweise auf den Grünlandflächen bei Goldenbaum vertreten . In den Randzonen des Teufelsbruches und des Großen Bruches , sowie am Zotzensee wurden sie in den 80-er Jahren durch die intensive Bewirtschaftung und eine relative Niederschlagsarmut bis auf einige Restflächen zurückgedrängt . Bei ausreichend hohen Wasserständen ( wie beispielsweise im Jahre 1994 ), einer deutlichen Verringerung des Düngereinsatzes und Aufrechterhaltung einer Mähweidenutzung ist aber eine schnelle Regeneration möglich .
Floristisch ist diese Vegetationsform durch ihren Gräserreichtum gekennzeichnet . Neben den Charakterarten dieser Vegetationsformengruppe kommen unter anderem Wiesenrispengras ( Poa pratensis ), Rotschwingel ( Festuca rubra ), Wolliges Honiggras ( Holcus lanatus ), Rasenschmiele ( Deschampsia cespitosa ), Wiesen-Schwingel ( Festuca pratensis ), Weißes Straußgras ( Agrostis stolonifera ) und Gemeines Rispengras ( Poa trivialis ) mit hoher Stetigkeit vor . Weiterhin treten Gliederbinse ( Juncus articulatus ), Sumpf-Kratzdistel ( Cirsium palustre ), Sumpf-Segge ( Carex acutiformis ) und Moorlabkraut ( Galium uliginosum ) auf .
Kammgras-Wiesenschwingel-Feuchtweiden wurden nur auf drei Flächen festgestellt . Eine größere Ausdehnung besitzen die Bestände südlich von Müritzhof . Je eine kleine Fläche liegt in der Havelniederung östlich des Granziner Sees ( schmaler Streifen entlang der Havel ) und am Südwestrand des Warnker Sees . Die Substrate der mäßig feuchten Standorte bestehen aus geringmächtigen Torfen oder humosen Sanden der Seeabsenkungsterrassen .
Diese artenreiche Vegetationsform ist neben den genannten Feuchtwiesenarten vor allem durch Arten mäßig nährstoffversorgter Frischwiesen und -weiden wie Weide- Kammgras ( Cynosurus cristatus ), Wiesen-Flockenblume ( Cerntaurea jacea ), Zittergras ( Briza media ), Roter Zahntrost ( Odontites rubra ), Erdbeerklee ( Trifolium fragiferum ), Gänseblümchen ( Bellis perennis ), Herbstlöwenzahn ( Leontodon autumnalis ), Kriechendes Fingerkraut ( Potentilla reptans ) und Gemeine Schafgarbe ( Achillea millefolium ) gekennzeichnet .
Bei den im folgenden beschriebenen Vegetationsformengruppen des Graslandes handelt es sich generell um Saatgrasland . Flächenmäßig dominieren derartige Grünlandflächen im Müritz-Nationalpark . Sie wurden bereits über längere Zeiträume mehr oder weniger intensiv bewirtschaftet und unterscheiden sich floristisch erheblich von den vorgenannten Rasen , Feuchtwiesen und -weiden . Die Differenzierung des Saatgraslandes hat ihre wesentliche Ursache in der unterschiedlichen Wasserversorgung . Danach werden Grasländer feuchter , frischer und trockener Standorte unterschieden .
78