Nationalparkplan Band 2 - Page 87

Die Bestände sind vielfach monostrukturiert und weisen eine geringe Baumartenvielfalt auf ( vgl . Kap . 5.3.2 ). Die Artenanzahl phytophager Organismen ist gegenüber natürlichen Waldgesellschaften gering , die Individuendichte jedoch oftmals sehr hoch .
Vegetation
Laubholzbestände
Über den gesamten Müritz-Nationalpark verteilt und auf fast allen Standorten wurden verschiedene Laubbaumforsten angelegt . Am verbreitetsten sind Eichenbestände mit Stiel-Eiche ( Quercus robur ) und Rot-Eiche ( Quercus rubra ). Sie treten in allen Altersklassen auf . Viele Birken- Eichen-Gehölze auf trockenen Sandstandorten sind aus Eichen-Aufforstungen hervorgegangen .
Die sehr wenigen von der Eiche dominierten Altholzbestände mit naturnahem Charakter enthalten immer einen gewissen Buchenanteil und wurden den Buchen- und Eichen-Buchen-Wäldern zugeordnet . Eine relativ häufige Erscheinung sind Schwarzpappel ( Populus nigra ) - bestände . Sie wurden mehrheitlich zwischen 1950 und 1970 auf aufgelassenen landwirtschaftlichen Nutzflächen angelegt . Spätere Pappelpflanzungen spielen im Müritz-Nationalpark keine Rolle . Ältere Schwarzpappeln findet man nur als lineare Elemente entlang von Verkehrswegen und anderen Grenzlinien .
Alle anderen Laubholzbestände sind nur von untergeordneter Bedeutung . Zu ihnen gehören unter anderem Pflanzungen der Winterlinde ( Tilia cordata ) und des Bergahorns ( Acer pseudoplatanus ). Absolute Ausnahmen sind Robinien ( Robinia pseudoacacia ) - Gehölze , die vor allem in der Nähe einiger Ortschaften spontan entstanden sind . Sie wurden jedoch mit den Laubholzbeständen zu einer Kartierungseinheit zusammengefasst .
Nadelholzbestände
Auf Grund der bisherigen Geländebeobachtungen lassen sich zumindest Himbeer- , Drahtschmielen- , Blaubeer- und Flechten-Kiefernbestände unterscheiden .
Der Himbeer ( Rubus idaeus ) - Kiefernbestand stellt eine Ersatz-Vegetationsform der Perlgras-Buchenwälder dar . Er zeichnet sich in der Regel durch dichte Himbeer- und Brombeerbestände aus und wächst auf reicheren Standorten . Fast immer lässt sich ein spontaner Eichen- und Buchenaufwuchs beobachten , der bisher aber stark verbissen wurde . Verbreitungsschwerpunkt sind die Grund- und Endmoränengebiete mit frischen lehmigen Sanden und Lehmsanden . Innerhalb dieses Bestandstyps ist eine Flattergras ( Milium effusum ) - und eine Waldzwenken ( Brachypodium sylvaticum ) - Ausbildungsform zu unterscheiden .
Am häufigsten treten Drahtschmielen ( Avenella flexuosa ) - Kiefernbestände auf . Ihre typischen Standorte sind mäßig saure und mäßig frische Sandböden . Die artenarme Bodenvegetation wird von der Drahtschmiele beherrscht . Weitere typische Arten sind der Sauerklee ( Oxalis acetosella ), das Rot-Straußgras ( Agrostis tenuis ), der Besenginster ( Sarothamnus scoparius ), das Harz-Labkraut ( Galium harcynicum ), die Pillen-Segge ( Carex pilulifera ) und auf frischeren Standorten auch der Siebenstern ( Trientalis europaea ). In einigen Ausbildungen können auch das Ruchgras ( Anthoxanthum odoratum ), der Wiesen-Wachtelweizen ( Melampyrum pratense ), das Silber-Fingerkraut ( Potentilla argentea ) und die Echte Sternmiere ( Stellaria holostea ) auftreten . In ihnen ist wiederholt eine natürliche Kiefernverjüngung zu beobachten . Sie leiten zu den Blaubeer-Kiefern-Beständen über . Die Blaubeere ( Vaccinium myrtillus ) fehlt aber noch oder kommt nur mit geringen Deckungsgraden vor . Auch die Buche und die Stieleiche finden sich regelmäßig ein . Östlich des Weißen Sees bei Speck kommt auf trockenen nährstoffarmen Sanden eine Sandseggen-Ausbildungsform mit Sandsegge ( Carex arenaria ), Haar-Hainbinse ( Luzula pilosa ), Kleinem Habichtskraut ( Hieracium pilosella ) und vorwiegend in den älteren Beständen vereinzelt auch Heidekraut ( Calluna vulgaris ) vor . Vorrangig in die Jungbestände dringen regelmäßig auch Land-Reitgras ( Calamagrostis epigejos ) und Adlerfarn ( Pteridium aquilinum ) sowie Jungpflanzen der Stieleiche ( Quercus robur ) ein . Eine hohe Stetigkeit in diesen Beständen besitzt auch der Besenginster ( Sarothamnus scoparius ). Er entwickelt sich in Kulturen und lichten Jungbeständen und kann sich über viele Jahre unter den aufwachsenden Kiefern erhalten . In den aufgelichteten Altholzbeständen findet er auch wieder Möglichkeiten für eine Neuansiedlung . Sein Vorkommen unterstreicht den vorwaldartigen Charakter von Kiefernforsten .
Auf stärker sauren , mäßig frischen bis mäßig trockenen Sanden ist der Blaubeeren ( Vaccinium myrtillus ) - Kiefernbestand zu finden . Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt im Teilgebiet Serrahn . In der zumeist gering entwickelten Strauchschicht können wiederum die Buche ( Fagus sylvatica ) sowie die Stiel- und Traubeneiche ( Quercus robur , Q . petraea ), die Eberesche ( Sorbus aucuparia ) und die Sandbirke ( Betula pendula ) vorkommen . In diesem Waldtyp sowie in den Flechten-Kiefernbeständen konnte eine natürliche Kiefernverjüngung am häufigsten beobachtet werden . In einigen älteren Beständen hat sich der Wacholder ( Juniperus communis ) erhalten . In der Vegetationskarte ( Karte 3 ) wurde er durch entsprechende Zusatzsignaturen dargestellt . Kennzeichnende Ar-
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