Nationalparkplan Band 2 - Page 83

Die relative Standortvielfalt in Erlenwäldern bedingt aber eine Vielzahl vorkommender Moosarten . Mit hoher Stetigkeit wurden im Erlenbruchwald nördlich des Specker Sees Arten wie Mnium hornum und Hypnum cupressiforme nachgewiesen . Vorwiegend in den quelligen Bereichen treten ausgesprochen seltene Moosarten auf . Hierzu zählen Climacium dendroides , Cratoneuron filicinum und Fissidens adianthoides .
Pilze
Die Pilzflora der Erlenbruchwälder gilt allgemein als artenarm . Lediglich der Strahlige Schillerporling ( Inonotus radiatus ) kommt auf abgestorbenem Erlenholz vor ( MÜLLER 1970 ).
Fauna
Unter den Tagfalterarten hat das Waldbrettspiel ( Pararge aegeria ) in den Erlenbruchwäldern einen Verbreitungsschwerpunkt , hinzu kommen aber auch euryöke Arten , wie z . B . der Große und Kleine Kohlweißling ( Pieris brassicae und P . rapae ) sowie der Rapsweißling ( Pieris napi ) ( HAMANN et al 1994 ). Zu den im Erlenwald am Nordufer des Specker Sees festgestellten Nachtfalterarten gehören Thumanta senex und Pelosia obtusa , deren Raupen sich ausschließlich von Erlenflechten ernähren . Hervorzuheben ist auch die nach der Roten Liste Brandenburgs als vom Aussterben eingestufte Art Senta flammea ( HOPPE 1995 ).
Eine charakteristische Vogelart der Bruchwälder ist der Graue Kranich ( Grus grus ), der bei hohen Wasserständen ideale Brutmöglichkeiten findet . So brüteten im niederschlagsreichen Jahr 1993 im 90 ha großen Serrahnbruch sieben Kranichpaare , im gesamten Nationalpark sind es etwa 60 Paare . Weitere Vogelarten , die Bruchwälder als Nahrungs- und Bruthabitat nutzen , sind der Schwarzstorch ( Ciconia nigra ), der Bruchwasserläufer ( Tringa glareola ), aber auch Kleinspecht ( Dendrocopus minor ) und Weidenmeise ( Parus montanus ). Greifvögel sind in geschlossenen Erlenbruchwäldern selten , nur der Mäusebussard ( Buteo buteo ) brütet vereinzelt auf alten Erlen .
Erlenbrüche mit ihrem reichen Nahrungsangebot sind wichtiger Lebensraum für verschiedene Fledermausarten , wie Zwergfledermaus ( Pipistrellus pipistrellus ), Rauhautfledermaus ( Pipistrellus nathusii ) und Braunes Langohr ( Plecotus auritus ). Für die Wasserfledermaus ( Myotis daubentoni ) sind Erlenbrüche nur Fortpflanzungsbiotop , da diese Art fast ausschließlich über offenem Wasser jagt .
– Wälder auf Normalstandorten
Vegetation
Birken- und Birken-Kiefern-Wälder trockener Standorte
In dieser Kartierungseinheit wurden nur natürlich entstandene Birken- und Birken-Kiefern-Vorwälder auf grundwasserfernen Sandböden zusammengefasst .
Besonders gut zu beobachten ist ihre Entstehung im Bereich der ehemaligen militärischen Übungsplätze . Hier beginnt die Sukzession in der Regel mit dem Eindringen von Birken und Kiefern in die Sand-Magerrasen oder Besenginster-Heiden . Dabei dominiert die Kiefer vor allem auf den vegetationsarmen und -losen ausgesprochenen Rohböden . Auch in den Silbergras-Rasen besitzt die Kiefer zumeist deutlich bessere Keimungs- und Entwicklungschancen als die Birke .
Dagegen ist die Birke in den Besenginster-Heiden , in den Schafschwingel-Rasen und zum Teil auch in den Drahtschmielen-Rasen der Kiefer gegenüber im Vorteil . So entstehen je nach der Ausgangsvegetation und den speziellen Standortbedingungen , unter denen die Humusform eine wichtige Rolle spielt , Vorwälder mit unterschiedlichen Anteilen beider Baumarten . In älteren Vorwaldstadien beginnt bei entsprechender Humusform die Stieleiche einzuwandern , womit die Entwicklung zu Birken- und Kiefern-Stieleichen- Zwischenwäldern eingeleitet wird .
Kiefern- und Birken-Eichen-Wälder
Eine weitere , jedoch sehr selten auftretende Vegetationsform trockener Standorte , sind die kiefern- , birken- und hainbuchenreichen Eichenwälder . Ihr Verbreitungsschwerpunkt sind die mehr oder weniger steil ansteigenden Randzonen vieler Seebecken , die vormals extensiv beweidet wurden . Schon während der Beweidungsphase waren die Schwingelrasen mit Besenginster , Wacholder , Weißdorn , Rosen , Birken und Kiefern durchsetzt , die sich nach der Einstellung der Beweidung sehr schnell verdichteten und zu Kiefern-Birken-Vorwäldern entwickelten , aus denen die heutigen naturnahen Kiefern- und Birken-Eichen- Zwischenwälder entstanden .
Flechten und Moose
Unter den lichten Birken-Kiefern-Vorwaldstadien bildet Pleurozium schreberi zusammen mit weiteren Astmoosen sowie Dicranum scoparium und Dicranum polysetum ausgedehnte Bestände . In den älteren Sukzessionstadien im nördlichen Randbereich des ehemaligen Übungsplatzes finden sich neben dominierenden Cladonia-Arten auch seltenere Flechtenarten , wie
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