Nationalparkplan Band 2 - Page 113

Ein reiner Laubwaldbewohner ist der in Nordindien überwinternde Zwergschnäpper ( Ficedula parva ), der die geschlossenen Buchenwälder des Teilgebietes Serrahn in erstaunlicher Dichte besiedelt . Der Bergfink ( Fringilla montifringilla ) kann zur Buchenmast sehr häufig auftreten , Schwärme von mehreren hunderttausend Exemplaren konnten in Serrahn schon beobachtet werden . In laubbaumdominierten Wäldern kommen auch Waldlaubsänger ( Phylloscopus sibilatrix ), Mönchsgrasmücke ( Sylvia atricapilla ), Buchfink ( Fringilla coelebs ), Kernbeißer ( Coccothraustes coccothraustes ), Blaumeise ( Parus caeruleus ) und Pirol ( Oriolus oriolus ) vor .
Das Ostufer der Müritz , die Havelseen und die vielen kleinen Waldseen sind für zahlreiche Wasservogelarten sowohl Brut- , als auch Nahrungs- , Rast- und Überwinterungsgebiete . So ist es nur folgerichtig , dass ein Teil des Nationalparks als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung ( RAMSAR – Gebiet ) deklariert wurde . Ein besonderes Naturschauspiel bietet sich dem Beobachter mit dem jährlichen Gänsezug . Im September finden sich auf den Specker Seen , dem Rederangsee und dem Woterfitzsee einige tausend Graugänse ( Anser anser ) ein . Sie ist auch die einzige im Gebiet brütende Gänseart . Wenig später , im Oktober bis Ende November folgen in noch größerer Anzahl die Saat- und Blässgänse ( Anser fabalis u . A . albifrons ). Bis zu 25.000 Exemplare wurden schon am Ostufer der Müritz und den Havelseen registriert . Immer wieder finden sich auch Kurzschnabelgans ( Anser brachyhynchus ), Ringelgans ( Branta bernicla ), Weißwangengans ( Branta leucopsis ) und Kanadagans ( Branta canadensis ) als seltene Durchzügler auf den Gewässern des Nationalparks ein .
Außerordentliche Bedeutung hat das Gebiet auch für rastende Entenarten . So sind Tafelente ( Aythya ferina ) und Reiherente ( Aytha fuligula ) eher spärliche Brutvögel im Gebiet . Um so häufiger treten sie aber als Durchzügler am Warnker See , Rederangsee und der Müritz auf . Bis zu 50.000 rastende Reiherenten wurden schon gezählt . In weitaus geringerer Anzahl ziehen Schnatterente ( Anas strepera ), Krickente ( Anas crecca ), Löffelente ( Anas clypeata ), Stockente ( Anas platyrhynchos ) und Knäkente ( Anas querquedula ) durch , Entenarten die auch als Brutvögel im Gebiet vorkommen .
In den Trupps anderer Entenarten finden sich gelegentlich Spießente ( Anas acuta ) und Pfeifente ( Anas penelope ) ein . Unregelmäßige Sommergäste und nur ausnahmsweise Brutvögel sind Brandente ( Tadorna tadorna ) und Kolbenente ( Netta rufina ). Als sehr seltene Wintergäste kommen Meeresenten wie Trauerente ( Melanitta nigra ), Samtente ( Melanitta fusca ), Eiderente ( Somateria mollissima ), Eisente ( Clangula hyemalis ) sowie Bergente ( Aythya marila ) und Moorente ( Aythya nyroca ) vornehmlich auf den größeren Gewässern vor .
Durch ihre charakteristischen Rufe sehr auffällige Wintergäste sind Sing- ( Cygnus cygnus ) und Zwergschwan ( C . columbianus ). Nicht selten sind Trupps mit bis zu 100 Exemplaren auf der eisfreien Müritz zu beobachten . Als typische Vogelart der größeren Gewässer gilt der Höckerschwan ( Cygnus olor ), dessen Bestand Mitte dieses Jahrhunderts stark bedroht war , heute aber als stabil eingeschätzt werden kann .
Ein ebenso charakteristischer Vertreter der Gewässer ist der Haubentaucher ( Podiceps cristatus ). Er kommt an fast allen größeren Seen im Gebiet vor . Im Herbst sind Trupps mit bis zu 500 Exemplaren auf der Müritz keine Seltenheit . Seltener ist der Zwergtaucher ( Tachybaptus ruficollis ), der eher auf kleinen bzw . stark verlandeten Gewässern brütet . Nur von wenigen Gewässern gibt es Nachweise über das Vorkommen des Rothalstauchers ( Podiceps grisegena ). Die übrigen Taucherarten wie Prachttaucher ( Gavia arctica ), Sterntaucher ( Gavia stellata ) und Schwarzhalstaucher ( Podiceps nigricollis ) sind seltene Durchzügler .
Das Blässhuhn ( Fulica atra ) ist ebenfalls an vielen Seen zu beobachten . Sein Brutbestand scheint sich nach einem Bestandeseinbruch in den 1980er Jahren wieder erholt zu haben . Auf der Müritz sind Ansammlungen von 1.000 Bläßrallen keine Seltenheit . Zu den Wasservogelarten des Gebietes zählen auch drei Sägerarten . Während der Gänsesäger ( Mergus merganser ) ein zahlreicher Durchzügler ist und manchmal auch im Gebiet brütet , sind Zwergsäger ( Mergus albellus ) und Mittelsäger ( Mergus serrator ) nur selten zu beobachten .
Ein künstlicher , jedoch für einige Vogelarten sehr interessanter Lebensraum im Müritz-Nationalpark sind die Boeker Fischteiche . Die abgelassenen Teiche ziehen vorwiegend im Herbst und im Frühjahr tausende Limikolen an Alpenstrandläufer ( Calidris alpina ), Flußuferläufer ( Actitis hypoleucos ), Kiebitzregenpfeifer ( Pluvialis squatarola ), Zwerg- und Sichelstrandläufer ( Caldris minuta u . C . ferruginea ), Regenbrachvogel ( Numenius phaeopus ), Dunkelwasserläufer ( Tringa erythropus ), Grünschenkel ( Tr . nebularia ) und Bruchwasserläufer ( Tr . glareola ) zählen dort zu den regelmäßigen Durchzüglern .
Seltener nutzen Mornellregenpfeifer ( Charadrius morinellus ), Steinwälzer ( Arenaria interpres ), Seeregenpfeifer ( Charadrius alexandrinus ), Sandregenpfeifer ( Ch . hiaticula ), Säbelschnäbler ( Recurcirostra avosetta ), Austernfischer ( Haematopus ostralegus ), Odinshühnchen ( Phalaropus lobatus ), Temmickstrandläufer ( Calidris temminckii ), Sanderling ( C . alba ) und Knutt ( C . canutus ) die Schlickflächen der abgelassenen Teiche zur Nahrungssuche .
Verschiedene Möwenarten sind ebenfalls Brutvögel und Nahrungsgäste . So die Lachmöwe ( Larus ridibundus ),
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