BASKET Leseprobe BAS_07-0817_Leseprobe - Page 15

Text thomas werner E bony Fultz ist eine boden- ständige Frau. Bei ihrer klei- nen Familie in Maryland ist sie für die Finanzen zuständig. Und das kann anstrengend wer- den, wenn man sich bestimmte Verhaltensweisen angeeignet hat. Wie zum Beispiel, alle Artikel über den eigenen Sohn zu sammeln und in ein Album zu verpacken. „Das Magazin hier kostet sieben Dollar“, schreit sie mit ihrer hohen Stimme an einem Zeitungsladen, knapp 300 Meter von ihrem Haus entfernt. „Das darf doch wohl nicht wahr sein.“ Doch das Heft, ein bekanntes US-Sportmagazin, wie- der zur Seite zu legen, daran ver- schwendet sie keinen Gedanken. Immerhin hat sie einen vierseitigen Artikel über Markelle gefunden, ihren jüngsten Sohn, der in der Sai- son 2017/18 die NBA erobern will. Es dauert noch einige Minuten, ehe alle Magazine auf ihren even- tuell die Familie betreffenden Inhalt gecheckt sind, insgesamt vier von ihnen werden mit auf die Heimreise genommen. Ein kurzer Blick auf die Uhr, dann macht sich Ebony mit entschlossenem Schritt wieder auf den Weg nach Hause. Markelle wird in einer halben Stunde wieder da sein. Zum ersten Mal seit gut einem Jahr ist er wieder zu Besuch bei Mama Ebony und Schwester Shauntese, während der zwölf Monate zuvor hatte sein Terminka- lender das nicht zugelassen. Fultz hat sich einen Namen gemacht Denn Markelle Fultz war schwer beschäftigt. Beschäftigt damit, seine Ankunft in der NBA vorzube- reiten. Mit einem Freshman-Year am College von Washington, das seinen Namen in ganz Amerika bekannt werden ließ. 23,2 PPS, 5,9 AS und 5,7 REB hatte er am Ende der Saison auf seinem Statistik-Bo- gen stehen. Damit war er der erste Spieler seit einem gewissen LaDrell Whitehead (1994/95), der in sei- nem ersten College-Jahr mehr als 20 PPS, fünf REB und fünf AS auf- legte. Sein Punkteschnitt war der beste eines Freshmans seit über 20 Jahren. Fultz wurde ins First Team All-Pac-12 gewählt und kata- pultierte sich mit seinen Leistungen an die Spitze fast aller Mockdrafts in den Vereinigten Staaten. Als sich am Abend die Fami- lie mit Freunden zum Dinner am Küchentisch einfindet, wird der NBA-Draft 2017 zum Thema. Klar, Markelle hat zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wo er in der nächsten Saison spielen wird. Doch er weiß genug, um seiner Mutter einige Dinge erklären zu können. Als der 19-Jährige über das „Tanking“ einiger NBA-Teams spricht, unterbricht Ebony ihn. „Passiert das wirklich? Verlieren Teams mit Absicht?“, fragt sie ungläubig. „Ja, natürlich“, antwor- tet der Sohnemann. „So erhöhen sie ihre Prozente für die Lottery.“ Die Draft-Lottery – hier ist Ebony schon einen Schritt weiter. „Erst letztes Jahr habe ich gelernt, dass es dabei wirklich um eine Lottery geht. Kugeln in großen Boxen ent- scheiden darüber, welche Teams in welcher Reihenfolge die College- Jungs ziehen können. Unglaub- lich.“ Markelle ist noch sehr jung, sein Gesicht sieht immer noch eher nach pubertierendem Jungen als nach NBA-Star aus. Doch er weiß: Er muss sich diplomatischer aus- drücken als seine Mutter. „Mir ist es egal, wo ich spiele“, sagt er. „So bin ich. Ich will guten Basketball spielen. Aber ich schaue nicht zu weit in die Zukunft.“ In dem Fall noch nicht einmal fünf Minuten in die Zukunft. Sonst hätte er kommen sehen, dass ihn seine Mutter mit zwei Tüten voller Plastikmüll auf die Straße schickt – dort stehen die Mülltonnen. „Mum, ich habe eben erst drei Tüten M