BASKET Leseprobe BAS_07-0817_Leseprobe - Page 13

Ganz im Schatten der katastrophalen T-Wolves-Saison hat KARL-ANTHONY TOWNS gegenüber seinem Rookie-Jahr noch mal mächtig draufgelegt – nur der Erfolg leidet. Doch um das zu ändern, muss auch „KAT“ in bestimmten Bereichen deutlich besser performen! ALLEIN UNTER LFEN! TEXT MARC PRINCZ-SCHELTER W eihnachten 2005. Karl Towns Sr. nimmt sei- nen damals 10-jährigen Sohn Karl-Anthony Towns Jr. zur Seite und entschuldigt sich bei ihm: „Wir können uns dieses Jahr keine Geschenke für dich leisten.“ Die Familie ist arm. Doch statt Scho- kolade oder eines neuen Fahrrads lässt sich der Papa etwas ganz Besonderes einfallen, um seinem Sohn wieder ein Lachen auf das Gesicht zu zaubern. Eine Tat, die wohl dafür gesorgt hat, dass Karl- Anthony Towns der Spieler und Mensch ist, den wir heute kennen. Als es wärmer wird, kratzt sein Vater seine Ersparnisse zusammen, um für seinen Sohn einen eigenen Basketballplatz hinter dem Haus zu bauen. Der damalige Viertklässler beobachtet durch das Kinderzim- merfenster, wie sein Vater Löcher gräbt, Kies verteilt, den Boden betoniert und das Feld später mit aufgesprühten Linien perfektio- niert. „Wir konnten es uns in den ersten Monaten nicht leisten, einen richtigen Korb aufzuhängen, also benutzten wir einen Fisher-Price- Plastikkorb, bevor mein Vater einen richtigen kaufen konnte“, erinnert sich „KAT“ zurück. Dort wurde der Grundstein für die Karriere des heutigen NBA-Stars gelegt. Zehn Jahre später wählen ihn die Minnesota Timberwolves an erster Stelle im Draft 2015 aus. Mit Karl-Anthony Towns ziehen die „Wölfe“ ihren Franchise-Spieler der Zukunft. Und das, obwohl sie mit BASKET 7-8 | 2017 Andrew Wiggins schon ein Ausnah- metalent mit gehörig „Up side“ in ihren eigenen Reihen haben. Doch dass Towns als erster Pick vom Draftboard geht, war lange nicht so eine klare Angelegenheit, wie es sich jetzt vermuten ließe. Im Vorfeld des Drafts wurden auch D’Angelo Russell von der Ohio State Univer- sity und Jahlil Okafor aus Duke als mögliche First-Picks gehandelt. Einige Experten sehen die beiden sogar vor Towns. VIELSEITIG GEFÄHRLICH Doch diese Stimmen verstummen von dem Moment an, als „KAT“ das NBA-Parkett im Trikot der Timberwolves betritt. Schnell wird klar: Dieser Spieler ist etwas ganz Besonderes. Denn er ist sowohl direkt am Korb als auch vom Peri- meter sehr versiert, seine Mobilität ist einzigartig für einen Spieler sei- ner Größe. „Ich sehe mich nicht unbedingt als Big Man“, sagt er selbst. „Ich sehe mich nur als Spie- ler, jemand, der dem Team von jeder Position aus helfen kann. Ich habe unglaublich hart gearbeitet, um den Punkt zu erreichen, wo ich dem Team durch meine Vielseitigkeit in vielen Be reichen helfen kann“, cha- rakterisiert Towns sein Spiel. In seinem Rookie-Jahr legt er 18,3 PPS, 10,5 REB, 2,0 AS und 1,7 BL auf. Eine der besten Stat- lines eines Rookies der letzten 20 Jahre. Nur Blake Griffi n (2010/11) und Tim Duncan (1997/98) lie- ferten in ihrer ersten Saison min- destens 18 Punkte und zehn Rebounds im Schnitt. Blake legte im Durchschnitt damals 22,5 Punkte und 12,1 Rebounds pro Spiel auf; Werte, an die er bis heute nicht mehr herankommt. Tim Duncan konnte 21,1 Punkte und 11,9 Rebounds auf sein Konto verbuchen. Andere legen- däre „Big Men“ wie Dirk Nowitzki und Kevin Garnett schlossen ihre Rookie-Jahre mit deutlich schlechteren Zahlen ab. Wer so früh in der Karriere mit solchen Spielern verglichen wird, muss ein Ausnahmetalent sein, ist sich die NBA-Welt früh einig. Auch seinen Teamkollegen Andrew Wiggins hat der vielseitige Big Man als bester Spieler in seinem Team längst verdrängt. Und das bereits in seinem ersten Jahr in der Liga. Doch jedem Timberwolves-Sym- pathisanten ist klar, dass dieser Kader noch Zeit braucht. Damals wie heute verfügen sie mit Zach LaVine und Andrew Wiggins zwar über gute junge Talente, die ge- meinsam mit „KAT“ Minnesota eine erfolgreiche Zukunft versprechen. Doch die Truppe ist zu unerfahren, um um die Playoffs mitzuspielen. Die jungen Wolves beenden die Saison 2015/2016 mit einer Sie- gesbilanz von 29:53 und schließen damit in ihrer Conference auf Platz 13 ab. Nur die L.A. Lakers und Phoenix Suns sind schlechter. KEIN STOPP IN DER ENTWICKLUNG Für die Saison 2016/2017 jedoch sind die Erwartungen hochge- steckt. Mit dem neuen Trainer Tom Thibodeau und gereiften Spielern sollen die Playoffs erreicht werden, sind sich Fans und Experten einig. Auch „KAT“ will mehr: Tim Duncan, der womöglich beste Power For- ward aller Zeiten, blieb zum Beispiel statistisch seine Karriere über auf Alle seine 164 möglichen NBA-Spiele hat Towns auch bestritten. 67